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Maultier-Workshops

Diese finden 2 x jährlich, oder bei Bedarf auch öfter, statt; in der Regel bei Beate Merz in der Nähe von Heidelberg. Der Maultier-Workshop soll dazu dienen, Maultier-Interessierte und -Anfänger mit der Spezies Muli bekannt zu machen.
Auf dem Programm stehen, neben dem allgemeinen Umgang mit den Tieren, das Führen, Bodenarbeit, Reiten auf dem Platz und im Gelände, Trailparcours, Sattelkunde und Huf-pflege. Den theoretischen Teil bilden Haltung, Zucht, Ausbildung und die Behandlung aller weiteren Fragen der Teilnehmer.
Der Workshop geht über 2 Tage (meist Wochenende). Für Verpflegung während dem Kurs ist gesorgt; ebenso steht Gelände zum Zelten oder ein Heulager zum Übernachten, und sanitäre Anlagen zur Verfügung.


Bericht einer ehemaligen Teilnehmerin am Muliworkshop:

Was sind das nur für Wesen, diese Mixturen aus Pferd und Esel? Wie lebt man mit ihnen, wie lassen sie sich reiten? Können sie meine bisherigen Pferdeerfahrungen bereichern oder wäre es für mich denkbar, irgendwann sogar „umzusteigen“ ?
Diese Fragen schwirrten seit Wochen durch meinen Kopf. Und sogar Bernd, der meine Pferdesucht schmunzelnd vom Boden aus begleitet, war plötzlich mit dem Muli - Bazillus infiziert. Der organisatorische Aufwand für ein Wochenende ohne Kinder, Hunde und Kater war nicht unerheblich, doch wir merkten schnell, dass es anderen nicht anders ging. So musste Sylvia, die schon am Vorabend zu uns kam, um von Medebach aus mit uns weiterzufahren, nicht nur etliche Kilometer mehr zurücklegen, sondern auch noch für die Versorgung ihrer zur Zeit nicht ganz gesunden Muli - Stute Paloma sorgen.
In einer Sache sind wir uns aber sicher alle einig: Es hat sich gelohnt! Bei Beate und Armin lernten wir zunächst die anderen Teilnehmer kennen. Karin hatte bereits beim Muli - Reitkurs mitgemacht. Christine und Erik waren schon einen Tag zuvor mit ihrem Esel Anton angereist.

Bild 1: Kaltblut Funny, Bernds neue Liebe

10.00 Uhr am Samstag ging es los. In gemütlicher Runde wurden zunächst die Schwerpunkte des Workshops festgelegt. Schließlich brennen jedem andere Fragen unter den Nägeln.
Mittags lernten wir dann nicht nur die Mulis, sondern auch die Pferde auf dem Hof kennen. Danach wurden Sancho und Elco geputzt und es ging an erste Lektionen Bodenarbeit.
Schon hier waren Unterschiede zwischen Pferd und Muli nicht zu leugnen. Nicht nur die langen Ohren oder andere Äußerlichkeiten. Sie schienen schon spätestens auf den zweiten Blick ein etwas anderes Gemüt zu haben.
Ziemlich schnell wurde mir aber auch klar, dass es DAS Muli, das nach allem, was ich in den vergangenen Wochen gelesen hatte, in meinem Kopf herumgeisterte, einfach nicht gab.

Bild 2: Sylvia beim Reiten mit Elco in der Bahn

Warum sollte es auch? Schließlich gibt es auch nicht DAS Pferd, DEN Hund, DIE Katze oder vielleicht sogar DEN Menschen. Gönnen wir also auch den Mulis ihre Persönlichkeit.
Sancho und Elco gaben uns an diesem Wochenende dann genügend Gelegenheiten, ihre höchst verschiedenen Persönlichkeiten zu erfahren. Was aber bei beiden auffiel, war die unglaubliche Ruhe, die sie ausstrahlen. Etwas, was ich in dieser Ausprägung nur bei sehr wenigen Pferden kenne.
Beate räumte gleich am ersten Tag mit Märchen auf, wie „Mulis gehen nie durch“ oder „alle Mulis sind trittsicher“. Und natürlich wurde auch über die körperlichen Besonderheiten gesprochen: die schmalen Hufe, der relativ gerade Rücken, was einiges Umdenken mach sich zieht, zum Beispiel wenn es um Hufschutz oder den richtigen Sattel geht.
Von der Bodenarbeit konnte man auch dann noch genug mit nach Hause nehmen, wenn man schon etwas Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Arbeit mit natürlichen Reflexen, Überzeugung statt negativem Druck, die „Politik der kleinen Schritte“, die „Kunst der Geduld“, die Notwendigkeit , den Mulis immer einen Gedanken voraus zu sein, um Schwierigkeiten von vorn herein zu vermeiden, statt sie hinterher korrigieren zu müssen. Die Ausbildung, die Mulis verlangen, würde sicherlich auch den meisten Pferden zugute kommen, nämlich all denen, bei denen man irgendwann die Geduld verliert, weil es einfach nicht schnell genug klappen will. Nach den ersten Eindrücken bin ich davon überzeugt, dass man sich mit den dann meist üblichen Methoden bei Mulis die Zähne ausbeißen würde. Mir fiel auch auf, dass es zur Belohnung keine Leckerchen, sondern Pausen mit viel Lob gab. Bei diesen Belohnungspausen legte Sancho seinen Kopf wie ein Baby zum Schmusen in meinen Arm. Ich weiß nicht, wer von uns beiden das mehr genossen hat.
Nach einer deftigen Stärkung ging es dann richtig in die Theorie, die aber keineswegs trocken war: Umstellung von Eisen auf Barhuf, Vor - und Nachteile verschiedener Boots, Tricks, um den Schwierigkeiten mit der ovalen Hufform zu begegnen, Kunststoffbeschläge und, und, und. Um Gehirnmuskelkater vorzubeugen gab es zwischendurch einen Spaziergang mit den Tieren und anschließend Muli - Reiten. Spätestens hier war die Verschiedenartigkeit der beiden Tiere nicht mehr zu übersehen und ich verliebte mich in Elcos „Sofatrab“.


Bild 3: Esel Anton, der ebenfalls am Muliworkshop teilnahm

Nachdem Beate uns auf Sylvias Bitte noch eine Reitvorführung auf Sancho geboten hatte, war den Mulis für diesen Tag die Ruhe gegönnt.
Für uns ging es nach dem Abendbrot weiter mit Theorien über Hufpflege, Behandlung von Strahlfäule usw. Auch der Humor blieb nicht auf der Strecke. So sorgte zum Beispiel Armin bei einem Versprecher für Gelächter, als er uns „Leichenharz“ statt „Lärchenharz“ empfahl. Er konnte uns aber nicht mitteilen, wie an seine „Spezialsubstanz“ heranzukommen ist.
Weiter ging es bis in die Nacht hinein mit Sätteln. Worauf ist zu achten, um festzustellen, wie gut oder schlecht ein Sattel verarbeitet ist, Folgen schlechter Polsterung, Möglichkeiten der Sattelanpassung...Das Thema war umfangreicher, als ich geglaubt hatte, daran kaut mein Gehirn bestimmt noch Monate.
Antons Packsattel wurde gezeigt, die ordentlich ausbalancierte Beladung besprochen, wir lernten von starren und flexiblen Sätteln, verschiedenen Gurten, Sattelunterlagen, der Schwierigkeit mit rutschenden Sätteln auf geraden und wenig bemuskelten Mulirücken - bis schließlich der Kopf rauschte und wir der späten Stunde wegen den Rest auf Sonntag verschieben mussten.

Bild 4: Elco "erleichtert" sich bei der Bodenarbeit auf der Plane

Die Nacht im in der Scheune geparkten Auto war zum Glück nicht so kalt, wie befürchtet, allerdings verfolgten mich Sättel und Hufe bis in den Traum.
Der Sonntag bescherte wieder Bodenarbeit, diesmal in einem Parcours aus Plastikplane, parallelen Stangen, Autoreifen, Flatterband, etc. Elco machte ein wenig den Eindruck, als ginge er an diesem Morgen nur mit, weil ihm ein endgültiger Streik zu anstrengend erschien. Mit Sancho ging das alles viel einfacher, aber von Beate ließ sich auch Elco zu einem Seitengang über die Stange überreden.
Nachdem wir noch das Verladen geübt hatten, durfte sich auch Anton mit Flatterband und Co. versuchen. Trotz seines zarten Alters von drei Jahren, war er dabei kaum aus der Ruhe zu bringen. Das schien ihn zu interessieren. Nur über eine höhere Stange die Beine zu heben, das war dann doch nicht mehr so ganz sein Ding.
Am Nachmittag ging es dann zum Abschluss noch mit Sancho und Elco ins Gelände. Für die Mulireiter sicherlich wesentlich bequemer, als für Beate und Armin, denn die mussten zu Fuß gehen. Auch Christine und Erik wanderten mit Anton mit.
Bevor es gegen 18.00 Uhr wieder Richtung Heimat ging, kontrollierte Armin noch mit einem Sattelmessgitter Antons Packsattel.

Bild 5: Kennenlernen der beiden Hauptakteure Sancho und Elco

Wir konnten uns nur schwer trennen, obwohl - oder gerade weil - das Wochenende mehr nicht hätte bieten können. Selbst wenn man (noch) kein eigenes Muli hat und vielleicht auch nie eins haben wird, kann es auf keinen Fall schaden mal über den pferdigen Tellerrand hinwegzuschauen. Ich bin sicher, auch mein Pflegepferd Lady wird von dem, was ich gelernt habe, profitieren. Bei Sylvia und ihrem Muli Paloma steht das wohl sowieso außer Frage. Es war halt für jeden etwas dabei. Selbst Bernd, der auch an diesem Wochenende konsequent am Boden blieb, hat so seine Erfahrungen gemacht: Den netten Mulis zum Trotz hat er sich Hals über Kopf in Kaltblutstute Funny verliebt.

Martina Regling, Medebach Oktober 2003
Fotos Bernhard Regling